18. Strahlend erblühen - „Aus der Schöpfung Mensch das Schönste hervorlocken"

Von D. H. (freie Journalistin, die u.a. für „Welt kompakt“, „Rheinische Post“ und diverse Magazine schreibt)

Menschen, die sich entfalten wollen, finden seit 21 Jahren den Weg zum „Institut für die Tantrische Vision e.V.“. Jharna Birgit Keller und Shantam Ludwig Heggenstaller leiten dort Entwicklungen ein, begleiten Veränderungen und schaffen ein Feld, in dem Wachstum und Heilung geschehen können. Über ihr Konzept hat Diana Haß mit ihnen gesprochen.

Wieso nennt Ihr Euer Institut „Institut für die Tantrische Vision“?
Shantam: Zuerst einmal haben wir uns bei der Namensgebung von einem Buch von Osho inspirieren lassen, in dem er eine alte tantrische Schrift erläutert. Das Wort „Tantrisch“ weist auf den Kern unseres Angebots hin: Tantra. Das verstehen wir als den östlichen spirituellen Weg der Vervollkommnung, Erweiterung und Erfüllung. „Vision“ beinhaltet Weite und die Erlaubnis, neu und gewagt Antworten auf die Frage zu suchen: Wo will ich wirklich hin in meinem Leben?
Jharna: Vision – ein in eine positive Zukunft weisendes Wort, das für die Arbeit, die wir tun, immer noch Bestand hat. Für mich hat es die Bedeutung: Nach vorne schauen, wirklich etwas Neues kreieren. Die Vision ist, aus dem, was wir sind – aus dieser wunderbaren Schöpfung Mensch – das Schönste hervorzulocken.
 

Macht das auch nach so langer Zeit noch Freude?
Jharna: Es gibt nichts Schöneres, als Menschen erblühen zu sehen, sie leuchten zu sehen, wenn sie sich finden in ihrem ureigenen Fluss, ihre Vision finden und diese zu leben beginnen.
 

Wie nähern sich die TeilnehmerInnen Eurer Seminare ihrer eigenen Vision?
Jharna: Wir haben ein großes Repertoire an Methoden in Atem-, Körper- und Energiearbeit. Wir setzen Massagen, Lichtarbeit, Meditationen, yogische Übungen und tantrische Rituale ein. Allen gemeinsam ist: Sie sind darauf ausgerichtet, das Potenzial jedes Einzelnen zu erweitern, hin zur Fülle, die Menschen leben können. Sie lenken die Aufmerksamkeit nicht nach hinten, wo die Verletzungen, wo die Traumen geschehen sind. Wenn sie im Laufe des Wachstumsprozesses dennoch ins Bewusstsein treten, angeschaut werden wollen, geben wir selbstverständlich Hilfen, mit ihnen umzugehen und sie loszulassen. Da liegt die Erweiterung: Nur so viel Therapie wie nötig, um Altes, das das eigene Erblühen behindert, loszulassen. Wir wenden uns sobald als möglich wieder den liebenden, energiereichen Facetten, der positiven Vision von sich selbst zu und stärken sie.
Shantam: Für uns ist Tantra ein Weg für jeden Einzelnen, in die innere Wahrnehmung seines Lebens und seiner Verhaltensweisen zu kommen. Das hat einerseits viel damit zu tun, in Meditation zu gehen. Diesen Teil praktiziert jeder alleine. Dann gibt Tantra zusätzlich Möglichkeiten, die ganz praktisch sind. Uns ist wichtig, dass unsere Tantrische Vision im Leben praktisch anwendbar ist. Zum Beispiel in der Begegnung. Wer an unseren Gruppen teilnimmt, kommt an Punkte, an denen er viel über sich selbst in Begegnung mit anderen erfährt.
 

Welche Art von Begegnungen sind das?   
Shantam: Im Tantrischen kommt die ganze Bandbreite von Begegnungsmöglichkeiten vor, nonverbal, verbal, physisch, energetisch – von einfach nur in die Augen schauen bis hin zu sinnlich-erotischen Ritualen.
 

Warum sinnlich-erotisch?
Jharna: Der sinnlich-erotische Raum ist für viele Menschen der, in dem sie ihre Energie besonders gut erleben können. Eine Weisheit des Tantrischen lautet: Je stärker ich meine Energie schule, je mehr ich lerne, in hoher Energie zu glühen, desto größer sind auch die Verbesserungen bei anderen menschlichen Fähigkeiten, zum Beispiel bei der Verarbeitung von Emotionen. Aber auch bei intellektuell-kognitiven Fähigkeiten. Denn alles ist ein Energiegeschehen. Das ist die praktische Seite.
 

Konkreter Nutzen im Alltag wäre dann?
Jharna: Beispielsweise, dass man weniger schnell emotional ausrastet. Dass man konzentrierter bei einer intellektuellen Aufgabe bleibt, auch wenn man infolge der sich immer schneller vollziehenden Veränderungen der Lebensrealitäten (persönlich, wirtschaftlich, klimatisch) verstärkten Druck spürt und sich Ängste entwickeln…
Shantam: Die Menschen, die sich auf unsere Trainings einlassen, stellen in der Regel wirkliche Änderungen in ihrem Alltag fest. Und das ist auch unser Anspruch: Uns genügt nicht ein hoher Energielevel in der Gruppe, ein kurzer Genuss, sondern im Alltag – zwischen den Abschnitten eines Jahrestrainings beispielsweise – zeigt sich, was jemand mitnimmt, wie und ob sich das Leben verändert.
 

Also eine nachhaltige Wirkung?
Shantam: Um nichts anderes geht es. Um Transformation, Erweiterung, Heilung …
Jharna: … und das ist ein Weg, den jeder von uns ein Leben lang geht. Dass uns auf unserem eigenen Weg immer neue Methoden geschenkt werden, die dem Nähren, Reinigen und Heilen dienen, ist etwas, für das wir sehr dankbar sind.
 

Habt Ihr ein klares Konzept?
Jharna: Es gibt ein klares System, in dem wir die verschiedensten Methoden, in denen wir ausgebildet sind, anwenden. Die Matrix, nach der wir lehren und an der wir uns ausrichten, hat grundlegende Pfeiler. Einmal das Energierad, in dem wir den emotionalen Körper, den mentalen, den physischen und den spirituellen Körper im Blick haben. Dann arbeiten wir mit der Yin-Yang-Polarität und mit dem Chakrensystem.
 

Da knüpft Ihr an die traditionellen religiösen Wurzeln des Tantra…
Shantam: Das stimmt. Natürlich gibt es auch in den Traditionen sehr unterschiedliche Richtungen – vom, vor allem im Westen so genannten, weißen Tantra, das sehr meditativ ist, bis hin zum roten Tantra, das sehr sexuell ist. Zum Beispiel in Tibet ist Tantra einfach Energielehre. Der Dalai Lama ist Tantriker, der weißes Tantra praktiziert. Unseren Weg hat Bodhi Avinasha, die amerikanische Tantralehrerin, mal lächelnd als „Pink-Tantra“ bezeichnet.
Tantra ist ein Weg, der keine Energie ablehnt. Tantra ist die Richtung, die alles bejaht.
 

Jharna, Du hast eine wissenschaftliche Ausbildung als Diplom-Psychologin, behandelst therapeutisch mit Kassenzulassung, führst Fortbildungen für ärztliche und psychologische Psychotherapeuten durch…
Jharna: Das Kognitiv-Intellektuelle gehört auch zu mir und es ist mir ein Anliegen, die Herz und Licht fokussierende Methodik der modernen Energetischen Psychologie in die bestehende Psychotherapie zu integrieren.
Bei der Arbeit in der Tantrischen Vision geht es aber um sehr viel mehr. Wir haben einmal den Slogan geprägt: Energie statt Therapie. Mit Licht- und Energiearbeit bin ich auf Methoden gestoßen, die unglaubliche Kraft zur Transformation besitzen. Licht im Herzen statt Schatten im Geist – das kann mit der von uns kreierten Verbindung von Licht-, Körper- und Atemarbeit mit dem Fokus auf das Herzzentrum erreicht werden. Übrigens bestätigt die moderne neurowissenschaftliche Forschung inzwischen, dass die Konzentration auf das Herzzentrum unmittelbare, nachweisbare und spürbare Verbesserungen bewirkt. Aber meine Arbeit zielt auf eine grundlegendere Erweiterung.
 

Was meinst du damit?
Jharna: Die Richtung geht vom Denken zum Fühlen. Und über das Fühlen öffnet sich die Erfahrung feinstofflicher Energien, die uns umgeben und durchdringen und die wir als erweiterte Dimensionen unseres Menschseins entdecken und zukünftig nutzen lernen. Bereits jetzt liefert die Quantenphysik Beweise für weitere Dimensionen. Letztendlich ist die Arbeit ausgerichtet auf die Erweiterung unserer Wahrnehmung und den damit verbundenen Übergang in eine Welt, die mehr und mehr von einer erweiterten Vorstellung unserer Möglichkeiten, in und mit Energieräumen und Energiefeldern zu agieren, geprägt sein wird. Es ist Fakt, dass es weitere Dimensionen gibt. Und immer mehr Menschen werden offen dafür. Sie brauchen aber Übungsfelder, um diese Fähigkeiten auszubilden.

Solche Übungsfelder bietet Ihr auch?
Jharna: Ja, sicher, schließlich geht es um eine Erweiterung des Potenzials. Das fließt ein in die allgemeine Arbeit. Und wer besonders angesprochen ist, für den biete ich beispielsweise im Februar den Beginn des Seminarzyklus „Energiewelten“ an.

Shantam, Du findest aktuell viele Werkzeuge zur Entfaltung bei einem Deiner Lehrer, dem tibetischen Lama Geshe Tenzin Wangyal Rinpoche…
Shantam: Was die meditative Seite des Tantra betrifft, schöpfe ich seit einigen Jahren aus dem unendlichen Wissen dieses tibetischen Lamas. Zuerst einmal für mich persönlich, dann aber natürlich auch als Tantra-Lehrer. Eine besondere Freude und Ehre ist für mich, dass Rinpoche mich autorisiert hat, einige seiner wichtigsten Techniken zu lehren, beispielsweise den Reinigungsatem, die kraftvollen Tsa-Lung-Übungen und die Heiligen Silben.

Welchen Sinn haben diese Techniken?
Shantam: Nur in höhere Energien zu kommen, hilft noch nicht weiter. Wenn ich meine inneren Schatten nicht erkenne, nicht mit nacktem Blick, wie die Tibeter sagen, auf mein Leben schaue, dann steuere ich unter Umständen mit mehr Energie in eine Katastrophe, weil diese erhöhte Energie das Negative in mir verstärkt. Es geht darum, die Schattenseiten zu reinigen und die positiven Qualitäten mit der erhöhten Energie zu stärken. Und dann wird in meinem Leben einiges besser werden. Dazu dienen die täglichen Meditationen in unseren Seminaren in ganz entscheidendem Maße. Erst vor kurzem ist mir bewusst geworden, dass Menschen, die mit ihrem Partner zu einem Seminar gekommen sind und sich in Beziehungsprobleme verstrickt haben, häufig nicht zur Morgenmeditation erscheinen. Spannend, oder?

Ihr geht unterschiedliche Wege und habt dennoch dasselbe Ziel, stimmt der Eindruck?
Jharna: Sicher. Wir sind zwei Individuen, die auch unterschiedliche Initiationen erhalten. Für mich bedeutet die Einführung in erweiterte Energieräume, dass ich vor allem die Zentrierung auf das Licht im Herzen in die Arbeit der Tantrischen Vision einbringe.
Shantam: Jharna und ich wachsen und verändern uns und mit uns die Arbeit.

Was ratet Ihr möglichen Interessenten?
Shantam: Programm durchlesen, unsere Internetseite ansehen – all das gibt schon einmal einen Eindruck. Dann stehen wir auch sehr gerne am Telefon für Fragen zur Verfügung.
Jharna: Aber letztendlich ist das Ausprobieren der einzige Weg. Wir bieten – unter anderem im Herbst mit „Zauber des Eros“, dann Silvester oder an Ostern - Einsteigerseminare, bei denen man uns und unsere Arbeit erleben kann. Es ist in gewissem Sinn wie beim Autokauf, bei dem man sich zwischen verschiedenen Marken entscheiden will: Letztendlich überzeugt nur die Probefahrt!

 

19 | ... | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 0201 | Artikel-Übersicht