16. "Die Tantrische Transformation"

Im letzten Newsletter-Artikel „Auf dem Weg“ ging es um die Frage „Was willst Du wirklich?“, dieses Mal wollen wir dieses Thema vertiefen mit der Frage „Wie kann mein individueller Weg der Veränderung aussehen?“ Dazu müssen wir erst einmal feststellen:

Wer möchte sich wohin verändern?

In 25 Jahren als Rebirther, Meditations- und schließlich Tantralehrer sind mir viele Menschen begegnet, die sich zwar gerne verändern wollten, aber nicht so gerne anerkennen wollten, wo sie eigentlich im Moment in ihrer Entwicklung waren und was der Ausgangspunkt für ihren weiteren Weg war. Unser Ego gaukelt uns gerne vor, wie weit wir doch schon fortgeschritten sind und dass wir z.B. bestimmte Übungen nicht mehr nötig haben oder unsere spirituelle Lieblingspraxis auf keinen Fall aufgeben dürfen, auch wenn sie uns schon längst nicht mehr weiterbringt. Ähnliches kann gelten, wenn wir glauben, wir müssten noch diese oder jene Methode oder Therapie ausprobieren, bevor wir glücklich und erfüllt sein können.

Da wir aus unserem inneren System ja nicht ausbrechen können, ist es gar nicht so einfach, herauszufinden, was die Wahrheit ist. Eine ganz einfache Frage kann dabei helfen:

„Bin ich im letzten Jahr ein besserer Mensch geworden?“ Wenn die Antwort darauf JA ist, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Wenn sie NEIN ist, dann solltest Du vielleicht etwas ändern.

Tenzin Wangyal Rinpoche, ein tibetischer Lama, von dem wir z. Zt. viel Inspiration bekommen, meinte dazu: „(Veränderung) … ist einfacher, als du denkst, solange du es auf die richtige Art angehst – am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und mit den richtigen Mitteln. Mit Sicherheit ist es leichter, als du denkst. Aber manchmal kennen wir die richtigen Mittel nicht und wir versuchen einfach, etwas zu erzwingen. Wir strengen uns zu sehr an, weil wir denken, Anstrengung ist gut. Anstrengung ist nicht gut. Anstrengung ist bei gar nichts gut. Mehr Anstrengung macht es nicht besser. Stecke nicht mehr Energie in das, was nicht funktioniert; nutze deine Energie auf eine andere Weise, so dass sie für dein Leben arbeitet."

Aber manchmal werden wir Opfer unserer eigenen Psychologie und halten an unseren liebgewonnenen alten Gewohnheiten fest, obwohl sie längst ausgedient haben.

Filmemacher F.X. Gernstl war mit einem Filmteam über 20 Jahre unterwegs, um Land und Leute kennenzulernen. In seinem Film „Gernstls Reisen – Auf der Suche nach dem Glück“ resümiert er:

 „Glücklich waren immer die, die einfach ihr Leben lebten und ihre Zeit nicht damit verbrachten auf ein besseres zu warten.“ und er sinnierte weiter: „Wenn wir mal aufhören, uns ständig Gedanken darüber zu machen, ob’s vielleicht zu warm oder zu kalt ist oder was man noch mehr oder weniger haben könnte, wenn man sich mit dem zufrieden gibt, was man hat, dann ist man glücklich auf dieser Welt.“

Für die meisten Menschen ist das aber nicht so einfach. Und um diesen Zustand von Glück zu erreichen gibt es viele Wege und Methoden, die dabei helfen können.

Was ist die „beste“ Methode?

Die beste Methode ist die, die wirkt!

Und da gilt es wieder das eigene Leben und die Entwicklung ehrlich anzuschauen und zu bewerten. Was hat sich verändert auf meinem Weg? Oft ist das leichter festzustellen, wenn wir größere Zeiträume betrachten – 1 Jahr, 3 Jahre, 5 Jahre … Was hatte ich vor 10 Jahren für Visionen und Träume? Wie ernsthaft habe ich versucht sie in meinem Leben zu verwirklichen? Was ist mir gelungen, was nicht? Und wie habe ich das gemacht, bzw. was habe ich unterlassen?

Unser Leben heutzutage ist anstrengend. Die Veränderungen gehen atemberaubend schnell.

Dazu ein kleiner Auszug aus dem höchst lesenswerten Buch „Worauf warten wir?“ vom Abtprimas Notger Wolf, dem höchsten Repräsentanten des Benediktinerordens:

„Woran sich im Zeitalter der Globalisierung sicher nichts ändern wird, das ist der Stress, das Gefühl, überarbeitet zu sein, das viele Führungskräfte kennen. In dieser Hinsicht habe ich als ebenfalls gestresster Abtprimas einen großen Vorteil gegenüber dem weltlichen Führungspersonal: Im Kloster ist die Zeit eingeteilt und strukturiert. Ich unterbreche meine Arbeit viermal am Tag für das Chorgebet, immer zu denselben Stunden, und sage: ‚Schluss jetzt, Gott hat Vorrang, etwas Wichtigeres als Gott kann es für Dich nicht geben. Diese halbe Stunde jetzt ist für Gott.’ Und irgendwann habe ich festgestellt, dass diese Zeit, die Gott gehört, auch die Zeit ist, die mir gehört. Die Zeit, in der ich nicht unter Druck stehe, in der ich Abstand gewinne und durchatmen kann, in der kein Mensch Anspruch auf mich hat. Viermal am Tag steige ich aus und erlebe das wunderbare Gefühl der Freiheit im schlimmsten Stress. Die Chorgebete sind für mich die Säulen des Tages.

Solche Strukturen sind unentbehrlich, wenn man etwas leisten will. Man kann nicht zwölf Stunden durchgehend an ein und derselben Sache arbeiten. Der Mensch braucht einen Tagesrhythmus.

Was ist praktisch zu tun?

Was können wir tun, die wir anscheinend nicht die Zeit und Möglichkeit (und Lust!) haben, uns viermal am Tag zurückzuziehen?

Menschen verausgaben sich und suchen dann Entspannung in Wellnessoasen oder in Therapie, um danach wieder in das alte Leben einzutauchen, das sie krank gemacht hat. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Auf dem tantrischen Weg werden wir nicht müde, auf die Vorzüge regelmäßigen Praktizierens von Yoga, Atemübungen und Meditation hinzuweisen.

Unser Körper, unsere Vorstellung und unser Atem sind die einzigen Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen und auf die wir direkt einwirken können. Zuerst sollten wir herausfinden, ob wir etwas, was ein Problem in unserem Leben ist, reinigen und klären wollen oder ob wir etwas Positives, das schon ansatzweise da ist oder das wir fast verloren haben, stärken und blühen lassen wollen.

Zu Beginn ist es für die meisten sinnvoll, mit der Reinigung von Problemenergien zu beginnen, denn etwas, was nicht da ist, kann man auch nicht stärken.

Problemgebiete, die zu klären sind oder Qualitäten, die es zu stärken gilt, können im Beruf, in Beziehungen oder mit Dir selbst und Deinem Leben sein. Es kann sich dabei um Emotionen handeln, um Körperempfindungen oder Lebenseinstellungen.

Du nimmst Kontakt zu dieser Energie auf, mit der Du arbeiten möchtest, ohne Dich in ihre Geschichten zu verwickeln, spürst sie und klärst sie durch verschiedene Körper- und Atemübungen. Dabei sind das Chakrensystem und das Wissen über Energielenkung, das wir in der Tantrischen Vision vermitteln, sehr hilfreich.

Das solltest Du einige Wochen lang praktizieren, bis Du spürst, dass sich etwas deutlich verändert hat oder zumindest zu verändern beginnt, z.B. Ärger aus Deinem Leben verschwindet und Du Dich friedlicher fühlst. Dann kannst Du Dir ein anderes Gebiet Deines Lebens vornehmen, dass Du klären möchtest oder mit dem Stärken von positiven Eigenschaften beginnen, die meistens nach der Reinigungsphase bereits deutlicher zu spüren sind.

Letztlich sollten sich, über einen längeren Zeitraum, Reinigen und Stärken die Waage halten.

Dazu noch mal Tenzin Wangyal Rinpoche:

„Am Ende findest du tiefe Ruhe. Ist es o.k., aufzuhören, wenn du tiefe Ruhe spürst? Nein. Dann beginnt die wirkliche Reise. Wir müssen die Vorstellung, dass irgendetwas aufhört, aufgeben. Darin besteht die ganze Idee, tiefer zu gehen oder tiefgründiger zu werden. Wenn du reinigst, reinigst, reinigst und gereinigt hast, ist es dann zu Ende? Nein. Jetzt beginnt die Idee von Vollendung. Der Teil der Vervollkommnung beginnt, der Teil der Reinigung hört hier auf. Wenn man nicht vervollkommnet und nur reinigt, ist das die Ursache dafür, dass manche Leute so „spacy“ herumlaufen. Da gibt es keine Verbindung zu den Qualitäten.“

In den regelmäßigen Meditationszeiten vermitteln wir innerhalb unserer Seminare diesen Weg:

- Zuerst erspüren, wo stehst Du und wohin möchtest Du Dich entwickeln?

- dann entscheiden, ist es nötig zu reinigen oder zu stärken?

- und zuletzt Dich mit der zu reinigenden oder zu stärkenden Energie verbinden und sie mit den verschiedenen Körper-, Atem- und Visualisierungstechniken transformieren.

Auf diese Weise gereinigt, energetisiert und mit erhöhter Bewusstheit, werden die Begegnungssequenzen, Massagen und sinnlichen Rituale zu einer Tür in neue Dimensionen Deines Seins:

Ein wunderbarer Weg in ein erfülltes Leben.

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