09. (Heilungs-) Krise und Entwicklungschance - erweitertes, lustvolles und authentisches Leben liegt meist hinter der (Heilungs-) Krise -

Intensität prägt mehr und mehr das Geschehen in unseren Seminaren. Der Wunsch nach Lebenslust, Erkenntnis des eigenen Seins und der Lebensaufgabe sowie Erweiterung des Lebens hin zum Wesentlichen führt immer mehr Interessierte zur Tantrischen Vision. Insbesondere in die Jahrestrainings kommen heute Männer und Frauen mit einer deutlich spürbaren ernsthaften Sehnsucht nach Entwicklung, Wachstum und Befreiung. Es sind Menschen, die wissen, dass wirkliche Transformation in etwas Neues hinein loslassen von Altem erfordert. Sie sind bereit, manchmal auch schwierige Phasen im eigenen Geburtsprozess zu einem authentischen Leben zu bewältigen. Um Einblick zu geben, was Menschen auf dem Selbstentfaltungsweg der Tantrischen Vision erleben können, wollen wir einen individuellen Heilungs- und Entwicklungsprozess schildern. Wir erläutern wesentliche Aspekte unseres speziellen methodischen Ansatzes und relevante Erlebnisse eines Teilnehmers (G.). Deutlich wird an diesem Beispiel, dass (Heilungs-) Krisen, die oftmals vor einem lustvollen Leben liegen, mutig und vertrauensvoll angenommen und durchlebt werden wollen.

Vorgeschichte von G's Entwicklungsprozess

G. kam zur Jahreswende 98/99 erstmals zu uns in das Seminar "Tantra und die Vision des neuen Jahres". Der Titel des Seminars sprach ihn ebenso an wie der Wunsch, seinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Er fand Gefallen an unserer Arbeit und besuchte zwei weitere Seminare. Währenddessen erhielt er die Einweihung in Elemente des Tantrischen Kriya-Yoga sowie den Kosmischen Kobra-Atem. Dies ist eine Atem- und Meditationstechnik, die wir lehren und die in der ersten Stufe durch die Umwandlung sexueller Energie das 6. Energiezentrum (3. Auge) öffnen kann. Ziel dieser spirituellen Methodik ist, Klarheit und Objektivität - den stillen Beobachter - zu aktivieren, um die für einen Wachstumsweg notwendige emotionale Klärung bewusster durchlaufen zu können. Da G. in der Zwischenzeit diese zentrale Technik praktizierte, kam er gut vorbereitet zum ersten Abschnitt des Jahrestrainings.

Zu Beginn Aktivierung und Energieniveauerhöhung

Wir beginnen Seminare mit Hilfe tantrisch-energetischer Methoden, die die Atmung intensivieren und den Körper in Bewegung und Ausdehnung bringen. Wesentlich ist dabei die Verlagerung der Aufmerksamkeit weg vom Denken und angespannten Funktionierenmüssen hin zum Fühlen und entspannten Geschehenlassen. Die Lebensenergie wird aktiviert durch aktive Meditationstechniken, Tanz und Tantrischen Kriya-Yoga, der neben der Erweiterung der körperlichen Beweglichkeit zu einer Vertiefung des Atemvolumens führt. Folge ist u.a. ein mögliches höheres Energieniveau des Einzelnen, das Voraussetzung für den beabsichtigten Wachstumsprozess ist.

Das eigene Thema erkennen mit Hilfe innerer Bilder

Wachstums- und Entwicklungsprozesse sind einzigartig. Die Frage, welche Bereiche im Leben eines Einzelnen Erweiterung und Veränderung suchen, beantwortet sich oftmals mit Hilfe innerer Bilder. So initiieren wir die TeilnehmerInnen zu einer visionären Reise in ihre derzeitige Lebenslandschaft. Hier erhalten sie mehr oder weniger symbolisch verschlüsselte Bilder aus ihrem eigenen Inneren, die Botschaften enthalten können, welche Themen in ihrem Leben nach Befreiung rufen. G. empfing innere Bilder, die ihn sehr verblüfften. Er sah sich an einem Strand stehend, dem hinter ihm tosenden Meer bereits entronnen, zu einem vor ihm liegenden Berg hinauf blickend. Wesentlich in G's Leben ist, dass er trotz beruflicher Selbständigkeit in der Finanzbranche bislang eine ihn wirklich befriedigende und herausfordernde Lebensaufgabe noch nicht finden und umsetzen konnte. Darüber hinaus ist er emotional sehr berührbar und hat viel Zeit mit Engagement und Sorge um andere, insbesondere Kinder, verbracht. Jetzt, 41-jährig und allein stehend, steht er vor einer umfangreichen, inhaltlich aber noch unklaren Neuorientierung seines privaten und beruflichen Lebens. Die Botschaft der Vision für ihn war, sich aus den Tiefen des tosenden Meeres - verwirrende Gefühlswelten -, mit dem er so lange gekämpft hat, sich aber auch treiben lassen konnte - unklar, bodenlos, sich auflösend -, zu verabschieden. Die Zeit ist gekommen, seinen Mann zu stehen, sich auf den Weg zu machen und seinen "Berg" zu besteigen, was immer dies für ihn auch heißen mag.

Selbstbewusstsein als Basis für den eigenen Weg

Die Fähigkeit, sich mutig auf den Weg zu begeben, um den eigenen Lebenstraum zu verwirklichen, ist abhängig von gut ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Es gründet sich auf die Teilaspekte Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstwertschätzung. Insofern ist es notwendig, Methoden zu benutzen, die genau diese Teilaspekte nähren bzw. Verletzungen dieser wichtigen Parameter heilen können. Zumal wir immer wieder erfahren, wie stark Selbstkritik zulasten von Selbstachtung und Selbstliebe bei vielen Menschen ausgeprägt ist.

Sich zeigen und angenommen werden als Kraftquelle

So geben wir in einem Ritual den TeilnehmerInnen Möglichkeiten, sich vor anderen zu zeigen und über sich selbst und den eigenen Körper zu sprechen. Danach empfangen sie positives Feedback und erleben Angenommensein über Gehalten- bzw. sanftes Berührtwerden. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich nach einem solchen Ritual die Ausstrahlung der Menschen verändert, Körper und Gesicht wie aufgeladen erscheinen und die TeilnehmerInnen davon sprechen, sich wacher, größer, breiter und sicherer zu fühlen. Diese Selbstfindung in der eigenen Körperlichkeit, Kraft und Zentriertheit wird maßgeblich unterstützt durch zweimal täglich praktizierte Meditationsmethoden. Sie tragen dazu bei, den gesamten Entwicklungsprozess in einem Rahmen zu halten, der für den Einzelnen handhabbar ist.

 

Auflösen von inneren Hindernissen

Wie wir anhand von G's Erleben sehen werden, sind vor Erreichen eines erweiterten lustvollen Lebens individuelle Hindernisse, die die Entfaltung des eigentlichen Potenzials verhindern, aufzulösen. Solche mit zunehmender Seminardauer deutlicher werdenden individuellen Hindernisse sind meist starke, zurückgehaltene und beängstigende Gefühle, sowie nicht förderliche Glaubenssätze und Verhaltensweisen. Sie sind auf ungünstige Lernerfahrungen oder traumatisierende Ereignisse zurückzuführen. In G's Prozess wird dies wie folgt deutlich.

Mut zu Offenheit und Ehrlichkeit

Nach dem stetigen Energieaufbau mit Hilfe der tantrisch-energetischen Methoden teilte G. in einer die gesamte Gruppe sehr bewegenden Weise mit, dass er gerne in Kontakt mit verschiedenen Frauen ist. Er lässt sich gerne hinreißen zu lustvollen Begegnungen, mag daraus aber keine Verpflichtung zur Bindung ableiten. Klingt vielleicht banal. So klar ausgesprochen erlebte es G. aber als eine Befreiung von ihn quälenden und einschränkenden inneren Selbstvorwürfen, so mit diesen Wünschen nicht sein zu dürfen. Die Resonanz der gesamten Gruppe spiegelte, dass diese Thematik ganz und gar nicht banal, sondern von großer Bedeutung für viele ist. Das sich Zeigen mit Klarheit, Offenheit und Mut zur eigenen Wahrheit stellte sich für G. als Schlüssel zum befreiten Sein heraus. Ein Teil seiner zu Beginn des Seminars erhaltenen Vision hatte er sich somit zu diesem Zeitpunkt erfüllt. Ein Aspekt seines "Berges", den er in seinem individuellen Prozess zu besteigen hat, war bewältigt. Die Folge für ihn war, dass seine Ausstrahlung weiter wuchs und er vermehrt Anerkennung und Zuwendung bekam.

Energetische Nahrung durch Aufmerksamkeit und Nähe

Die ungeteilte, liebevolle und wertschätzende Aufmerksamkeit anderer Menschen in Form von Blicken, Worten und körperlicher Nähe ist energetische Nahrung. Sie erhöht das Energieniveau ebenso wie die energetisch-meditativen Methoden des Tantrischen Kriya-Yoga. Bei G. führte die Kombination von beidem zu einem sehr hohen Energieniveau. Es ermöglichte ihm im weiteren Verlauf des Trainingsabschnittes ein wichtiges emotionales Heilungserlebnis.

Intensive Energieerfahrung und ggf. Heilung im "Falling"

Das "Falling" (= sich fallen lassen) ist ein weiterer Höhepunkt dieses Jahrestrainingsabschnittes. Hierbei wird ein/e TeilnehmerIn von zwei BegleiterInnen mit tantrisch-energetischen Methoden erweckt, wobei die Lebensenergie in immer höhere Erregung steigen darf. Es ist eine intensive Möglichkeit zu erforschen, wie weit sich ein Mensch in vibrierende Erregung bringen lassen kann und was dabei genau geschieht, im Körper, in Gedanken und Gefühlen. Außerdem wird deutlich, ob und wie er sich fallen lassen, die Kontrolle loslassen kann. Sofern das "Falling" für die TeilnehmerInnen gut vorbereitet, von qualifizierten Menschen angeleitet, begleitet und in achtsamer Weise durchgeführt wird, kann es tief greifende emotionale Heilung und/oder den Durchbruch zu neuen Ufern von Energieerfahrung und Selbstentfaltung bewirken. G. erlebte sein "Falling" in verschiedenen Dimensionen. In der Erweckungsphase und im Fallen geschah für ihn ein beglückendes Energieerlebnis, das er als lustvolles Fliegen empfand.

Die (Heilungs-) Krise

Die nach dem Fall frei werdende Energie schenkte G. einen wichtigen emotionalen Heilungsprozess. Er erlebte sich als hilfloses schreiendes und weinendes Etwas, aus dem sich ein lang zurückgehaltener immenser Schmerz entlud, der durch seine beiden Begleiter erste liebevolle, erlaubende und mitfühlende Unterstützung erhielt. Typisch für einen so intensiven Heilungsprozess, ist, dass er sich in der folgenden Nacht an traumatische Ereignisse erinnerte, die er mit der Gruppe am nächsten Morgen teilen konnte. Er erkannte, dass er jetzt - nach ca. 20 Jahren - die bis heute nicht gefühlten gewaltigen Emotionen von Schmerz und Wut über den dramatischen Selbstmord seiner Mutter fühlen und ausdrücken konnte. Ihm wurde bewusst, dass die traumatische Geschichte mit seiner Mutter eine bis heute nicht bewältigte Beeinträchtigung seines Potenzials bedeutete. Auswirkungen zeigten sich in seiner Unklarheit, geminderter Durchsetzungskraft und der Ambivalenz in seinen bisherigen Beziehungen zu Frauen. Einerseits mitgenommen von der Intensität der sich lösenden bislang blockierten Gefühle, andererseits unendlich erleichtert, dass er sie nun fühlen und entlassen kann, verließ G. dankbar und kraftvoller denn je den ersten Jahrestrainingsabschnitt.

Die (Entwicklungs-) Chance nähren

Emotionale Nachwehen, die eine so intensive Heilungskrise kennzeichnen, erleichtert sich G. derzeit durch Austausch mit WegbegleiterInnen und der Praxis des Tantrischen Kriya-Yoga und Kobra-Atems. Dies hilft, die emotionale Klärung zu durchlaufen und eine starke innere Achse aufzubauen, die die weitere Entfaltung von G's wahrem Potenzial unterstützen wird. Spürbare Wirkungen seiner nunmehr befreiten Energie sind vermehrte Traumtätigkeit, das Schaffen neuer Verbindungen zu Menschen und sich konkretisierende Pläne für eine längere Südamerikareise. Der weitere Verlauf des Jahrestrainings wird G. und den anderen TeilnehmerInnen vermutlich noch viele Möglichkeiten eröffnen, zu erfahren, dass Krisen Chancen sind für ein erweitertes lustvolles und authentisches Leben. Sie wollen als notwendiger Bestandteil von Heilung und Transformation zum Wesentlichen liebe- und vertrauensvoll angenommen werden.

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