04. Therapie oder Transformation?

 

Selbstentfaltung,
Entdecken und Lebenlernen der eigenen Fülle (mental, physisch, emotional und spirituell),
In-Balance-Kommen mit den inneren und äußeren Kräften von Yin (weiblich, fließend, entspannt usw.) und Yang (männlich, strukturierend, aktiv usw.),
Verbinden von Eros und Spiritualität,

sind die zentralen Anliegen in unseren tantrischen Seminaren. In der praktischen Umsetzung heißt das, in ein Experimentierfeld einzutauchen, in dem die Spürfähigkeit unseres Körpers, unsere Gedanken über uns selbst und andere(s), die Vielfalt unserer Gefühle und unserer Erotik und unsere natürliche Spiritualität erfahren und erweitert werden kann. In der Regel wird dieses Neuentdecken begleitet von deutlich spürbarem Fühlen von Energie, Freiheit, Lebendigkeit und liebevoller Selbstannahme.

Unterschiedliche Wege zur Entwicklung

Nach Jahren des Erlebens dieses Entwicklungsprozesses verdichtete sich die Beobachtung, dass die Leichtigkeit bzw. die Schwere, mit der Menschen sich entwickeln, in direktem Zusammenhang steht mit der Tiefe ihrer persönlichen Involvierung. Konkreter ausgedrückt heißt das, je mehr während des Entwicklungsprozesses der Fokus auf das Spüren alter Verletzungen gerichtet wird bzw. wiederholte persönliche emotionale Dramen geschehen, desto langwieriger und schwerer wird für die Betroffenen ihr eigener Weg. Dies geschieht vor allem dann, wenn vorwiegend Methoden benutzt werden, die den Schwerpunkt auf das Erinnern, Wiedererleben und Durchleben von Situationen legen, in denen Verletzungen von Körper und/oder Psyche geschehen sind. Dieses Vorgehen ist als prozeßorientierter therapeutischer Ansatz bekannt, der auf absolut persönlicher Ebene geschieht.
Die Gefahr einer zu intensiven Zentrierung auf diese Ebene, in der unser Ego mit seiner ganz individuellen Geschichte, unsere persönlichen Wünsche und Ziele im Mittelpunkt stehen, ist, um dieses "kleine Ego" zu kreiseln. Wahre Selbstentfaltung hingegen liegt jenseits dieser persönlichen Verhaftungen und Wünsche. Sie führt uns vielmehr zum Erkennen unserer überpersönlichen Natur mit Themen, die unsere Aufmerksamkeit beispielsweise dahin lenkt, wie wir Menschen und Situationen, denen wir in unserem Leben begegnen, als Geschenke, Botschaften und Aufgaben annehmen und allem anderen Lebendigen dienen lernen. Gelingt dieser Schritt, dieses Loslassen von der persönlichen Ebene, kann der Selbstentfaltungsweg hin zur Erweiterung unseres Bewusstseins leicht und weitgehend ohne dramatische innere Prozesse verlaufen.

Die tantrische Botschaft

Die tantrische Botschaft lautet in diesem Zusammenhang: "Nimm Deine sexuelle Energie, Deine Lebensenergie, umarme sie, verstärke sie (mit oder ohne Partner) und weihe sie dem Höheren." Doch oft scheitern wir schon beim ersten Schritt: Ängste, Themen wie sexueller Missbrauch und Tabus, persönliche Vorlieben, Rechthabenwollen usw. - alles Ballast aus der Vergangenheit - tauchen auf. Wir verstricken uns auf der persönlichen Ebene, wollen analysieren und therapieren. So können wir nicht präsent sein, verlieren den Kontakt zum gegenwärtigen Augenblick, können nicht wahrnehmen, was jetzt wirklich ist und können dies dann natürlich auch nicht erforschen und genießen. Wichtig ist aber auch, dass tantrische Lehren nicht sagen: "Ignoriere all die Verletzungen und Einschränkungen, die Du spürst", sondern "Begrüße und achte sie, lass' sie los und gehe Deinen Weg weiter".
Kennzeichen des tantrischen Weges ist, genau diesen Schritt, von unserer persönlichen Ebene in die Erfahrung unserer überpersönlichen Natur, geschehen zu lassen. Gelingt er, verlieren die persönlichen Verletzungen, Wünsche und Ziele ihre beherrschende Rolle im Wachstumsprozess und das Bewusstsein kann sich ausdehnen zu den überpersönlichen Bereichen hin. Erst im Zulassen dieser inneren Transformation kann wirkliche Erfüllung geschehen.

Entwicklungsweg über den spirituellen tantrischen Kriya-Yoga-Pfad

Innerhalb des spirituellen tantrischen Kriya-Yoga-Pfades und des darin enthaltenen Wissens über menschliches Wachstum wird Selbstentfaltung und Bewusstseinsentwicklung verstanden als Klärung der drei unteren Chakren (Energiezentren), die für die persönlichen Bereiche stehen, Öffnung des vierten (Herz-) Chakras als Zentrum der Umwandlung und Aktivieren der drei oberen Chakren als Ausdruck der überpersönlichen Bereiche.
Dan Millman, Autor des Buches "Die Rückkehr des friedvollen Kriegers" (Ansata-Verlag 1992) beschreibt den Transformationsschritt vom Persönlichen zum Überpersönlichen mit folgenden Worten:
"Wenn Du im vierten (Chakra) angekommen bist, verändern sich Deine Motive grundlegend. Du suchst kein Glück mehr, sondern willst Glück schaffen ... das ist nichts anderes als Dienst. ... eines Tages wirst Du nicht mehr aus Eigennutz, Schuldgefühlen (Motiv des ersten Chakras), weil Du hoffst, etwas zurückzubekommen (Motiv des zweiten Chakras) oder Verantwortungsbewusstsein (Motiv des dritten Chakras) dienen, sondern weil es nichts anderes gibt, was Du lieber tätest."

Verstärkung der spirituellen Komponente

Ein Weg, genau diesen Schritt im Rahmen von Selbstentfaltungsgruppen zu erleichtern, ist die Verstärkung der spirituellen Komponente.
In unseren Seminaren geschieht dies durch die Einladung des überpersönlichen Bereichs. Wie viel leichter kann der Schritt in neue Bereiche mit uns selbst bzw. mit einer/m PartnerIn getan werden, wenn wir in tantrischen Ritualstrukturen nicht unsere Person mit ihren Ängsten, Verletzungen und Begierden in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen, sondern unsere überpersönliche Natur in Form von Shiva- bzw. Shakti-Energie einladen. Die Bereitschaft, uns bewusst darauf einzulassen, unseren Partner bzw. unsere Partnerin als eine Form der Verkörperung von männlicher bzw. weiblicher Energie zu sehen und mit dieser in Kontakt zu treten, bringt uns in Räume von Erfahrung, die über unsere alten Begrenzungen hinausgehen.
Es ist die Chance, jenseits unserer bisherigen oft negativen Erfahrungen, jenseits unserer Meinungen und Projektionen hinzuspüren, was wirklich geschieht, wenn wir uns mit dieser inneren Haltung öffnen. Die Belohnung für den Wechsel auf diese überpersönliche Ebene ist, uns unschuldig wie das erste Mal von einem männlichen bzw. weiblichen Gegenüber berühren lassen und staunend beobachten zu können, wie unsere Energie in dieser von persönlichem Ballast befreiten Begegnung resoniert.
Auf diese Weise können wir einen wahrhaft heiligen tantrischen Raum öffnen, in dem wir unsere sexuelle Energie als kraftvolles und natürliches, uns von der Existenz geschenktes Mittel zu Selbstentfaltung und Bewusstseinsentwicklung feiern, erforschen und transformieren können.

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